Archiv der Kategorie 'Eigene Texte/Poesie'

20 vor 2

Eine Sekunde, der Duft kommt zurück.
Der Duft, der betörend wirkte, als du in sein Auto eingestiegen bist.
Der dich so gefesselt hat und Schauer über deinen Rücken gejagt hat.
Auch während der Vorstellung.
Die eigentlich zur Nebensache wurde.
So sehr hielt dich sein Duft gefangen.
Denn du hast über den Wolken geschwebt.
Die Sessellehne zwischen euch.

Doch schon vorher, im Wartebereich, berührten sich eure Füße.
Unbewusst, von keinem wirklich wahrgenommen.
Ihr wart beide zu sehr in Gedanken versunken.
Die ausschweifenden Gespräche am Telefon wurden zu etwas anderem.
Unmittelbares Gegenübersitzen, unmittelbare Stille.
Ungewisse Stille, weil keiner von euch wusste, was er sagen sollte.
Aber das war wohl nur die Aufregung.
Du versuchtest, die Stille und somit das Eis zu brechen.
Er ließ sich zu deiner Freude drauf ein.

Und dann, als die Vorstellung lief, berührten sich eure Arme, die beide auf der Lehne zwischen euch lagen.
Du zogst den Arm weg. Man will ja nicht unhöflich sein.
Doch je länger der Film lief, desto länger blieben beide Arme auf der Lehne.
Berührten sich, lang und noch länger.
Jeder von euch schaute immer wieder den anderen an.
War da etwas? Dieses unausgesprochene Einverständnis?

Dann fuhr er dich heim.
Eigentlich wolltest du noch nicht heim, wolltest aber auch nicht fragen, ob ihr noch etwas unternehmen wollt.
Auf halbem Weg zurück zu dir bist du im Auto eingenickt.
Obwohl du vorher beteuertest, im Auto nicht schlafen zu können.
Doch du fühltest dich wohl, sein Duft, die Musik, sein Fahrstil, der bequeme Sitz.
Dein Kopf fiel in seine Blickrichtung.
Da du nur am dösen warst, hörtest du, wie er seinen Kopf zu dir drehte.
Du kennst ja das Geräusch eines Lächelns.
Und dieses Geräusch hast du vernommen.
Und es als angenehm empfunden, weil er es wohl amüsant fand, wie du gedöst hast.

Dann ward ihr bei dir angekommen.
Er gab dir dein Geld zurück, du hast dich bedankt fürs Fahren.
Wie man das so macht wenn man höflich und gut erzogen ist.
Eine Umarmung zum Abschied gab es aber nicht.
Wird aber auch von vielen nur als Formalität angesehen.
Im Nachhinein denkst du dir sowieso, dass die Berührung eurer Arme auf der Sessellehne schon gut genug war.
Und letztendlich hat dir der Abend sehr gut getan.
Er war angenehm, denn wer geht nicht gern mit einem gut aussehenden jungen Mann aus?
Telefonnummern sind ausgetauscht, und du fragst dich schon jetzt, was dir die Zukunft bringt.

Großstadt

Schatten und Licht
Das eine zieht das andere an
Geräusche, Eindrücke, eigene Wahrnehmung
Ein Funkeln, die Lichter der Stadt faszinieren

Doch die Faszination verblasst
Wenn der Alltag dich einholt
Stress, Hektik, Gefahr
Das, was dich antreibt, ist das, was du verachtest

Und das, was du brauchst
Luxus, Wohlergehen
Die Dinge, die dich glücklich machen

Doch bedenke:
Nicht alles was glänzt, ist Gold
Auch das, was dir als das Teuerste erscheint
Zerbricht irgendwann

Pflege braucht ein jeder
Auch Freundschaften
Ohne echte Freunde bist du verloren
Denn sie sind es, die dich in dem Getöse der Stadt vor Gefahren schützen

Ein Augenblick
Ein Wort
Eine Sekunde
All dies verändert dich
Von Jetzt auf Gleich

In der Großstadt ist alles möglich.

Ein Leben

Erschienen, geblieben, geschieden
Ein Einblick in die Seele
Gewährt nur denjenigen, die es verdienen
Oder denen, von denen man es glaubt
Verletzt, verachtet, verstoßen

Die Sonne des Lebens
Ein neuer Schritt in eine neue Richtung
Nicht immer lebenswert
Und doch überwindbar

Schwierigkeiten prägen
Lassen die Sonne heller scheinen
Wenn Wolken kommen und es regnet
Wie Einsamkeit
Mit der Möglichkeit, es behaglich zu machen
Durch einen selbst oder durch andere

Fremder Antrieb
Jede Welle mitnehmen, die einen weiter bringt
Doch auch das Meer steht eines Tages still

So wie dein Herz
Gefüllt mit dem, was einem wichtig erscheint
Und wenn die Sonne des Lebens untergeht
Dann geht ein Stern der Ewigkeit auf
So ewig wie die Erinnerung an dich

Zeit

alte zeiten, neue zeiten
alte tage, neue tage
alt und neu geben sich die hand
das eine wird zum anderen
und bleibt doch was es ist
gibt sich die hand
wechselt die plätze
und bleibt doch was es ist
alte erinnerungen
neue erfahrungen
schönes bleibt bestehen
erinner dich an unsere zeit
egal ob alt oder neu
es ist wie es ist
und doch wird nichts so sein wie es war
die zeit bleibt stehen
kein alt
kein neu
nur das jetzt
erinner dich dran
wenn die zeit gekommen ist
und du wirst sehen
alt und neu bleibt bestehen

Ich und Ich

Ein kleiner Dialog, den eine Freundin und ich in Literatur verfasst haben, basierend auf dem Gedicht „Ich und Ich“ von Marie Lusie Kaschnitz.
„+“ ist positiv und „-“ ist negativg gestimmt.

+ : Ich weiß, was ich will und weiß, was ich kann. Ich gebe niemals auf und gehe mit des Lebens Lauf.

- : Mein Leben ist trist, nichts hält mich hier fest. Hab längst aufgehört, mich bewusst zu bewegen, Traum bleibt nur Traum in meinem Leben.

+ : Verlier nicht den Mut etwas zu bewegen, ich bin für dich da und fange dich auf. Verlass’ dich auf mich, du kannst mit mir reden, es geht immer wieder bergauf.

- : Wozu, frag ich dich? Ist doch keine Veränderung in Sicht. Wie lange soll’s so weiter gehen? Für mich blieb die Welt schon vor langer Zeit stehen.

+ : Ich bin für dich da, Jahr um Jahr. Deinen Lebensmut weck’ ich, niemals lass’ ich dich im Stich. Du bist der Faden, ich bin die Nadel. Gemeinsam vollbringen wir Taten, ich geleite dich ins Licht.

- : Das ist leicht gesagt, doch genau das wird es wohl nicht. Ich weiß genau, dass ich es wohl bin, die bald wieder klagt, mach dein Verpsrechen wahr und führ mich ins Licht…

Da ich das Gedicht nicht gefunden hab, gibts das nun hier:

Mein Ich und Ich
Eines steht aufrecht
Faßt noch ins Auge
Greift noch die Handvoll
Spürt noch den Hundsschweiß
Den Winterbiß.

Eines schon lange
Zur Wand gekehrt
Liest auf dem Mörtel
Die Flugschrift der Träume
Sieht ein durchscheinendes
Wandernd ein Licht.

Ich sagt zu Ich
Harre aus.
Ich fragt Ich
Wem zuliebe?
Ich sagt zu Ich
Bring zu Ende.
Ich fragt Ich
Warum?

Ich der Fisch
Ich die Reuse
Ich der Apfel
Ich das Messer
Ich das Maiskorn
Ich die Henne
Ich der Faden
Ich die Nadel.
Ich die Nadel fängt den Faden
Zieht den roten
Kettenstich.

Philosophiert

Gedanken verfliegen und verrinnen im Sand, die Ideen tun es ihnen gleich, wenn man sie nicht verwirklicht. Darum sollte man seinen Gedanken freien Lauf lassen, sodass se nicht verloren gehen.

Gedanken – wie definiert man sie? Spontane Einfälle, vielleicht sogenannte Gedankenblitze? Nein, so nennt man Ideen, kreative Einfälle.

Macht die eigene Fantasie einen Gedanken aus? „Nutze deine Fantasie!“ Das höre ich oft… Ist sie zu etwas gut? Muss sie wohl, wo würde ich heute sonst sein wenn nicht hier? Verloren? Alleine gelassen? Missachtet? Oder sogar vergessen? Ich wage nicht daran zu denken oder es mir vorzustellen. Vorstellen, ja, das ist es wohl was Fantasie ausmacht.

Sich etwas vorstellen zu können, die eigene Fantasie nutzen, um gewisse, nützliche oder sinnlose Aktivitäten oder Vorhaben zu entwickeln, ist es das, was eine Seele ausmacht? Einen Teil davon vielleicht, einen kleinen. Denn andere Dinge, die die Seele ausmachen, sind wichtige persönliche Eigenschaften und persönliche Ansichten, ebenso die persönliche Einstellung.

Freundschaft, Mut, Hoffnung, Wissen, Liebe… Diese Dinge haben Vorherrschaft bei den guten Menschen unter uns. Dinge wie Missachtung, Angst, Pessimismus, Unkenntnis und Hass… Sie gibt es auch. Aber ich denke man kann und darf diese zehn Eigenschaften nicht nur jeweils auf gute und böse Menschen beschränken. Jeder hat seine Ecken und Kanten, seine Wölbungen und Geraden. Deshalb habe ich auch meine besten Freunde so gern wie sie sind.

Sich zu verändern bedeutet einen Wechsel, eine womöglich neue Sicht der Dinge. So zu bleiben wie man ist hat wahrscheinlich seine positiven Seiten, aber sich auf eine Richtung zu konzentrieren anstatt neue Wege zuzulassen und zu akzeptieren, da gehört Mut dazu, und wenn man den Mut hat Veränderungen anzunehmen, kann sich das eigene Leben für immer verändern – zum guten oder zum schlechten.